Akiyoshido und –dai  (秋芳洞、秋吉台)

Wir sind sehr zufrieden, Yuda Onsen als Basislager für unsere diversen Ausflüge gewählt zu haben. Die Verkehrsverbindungen und die Infrastruktur sind für alle unsere geplanten Ausflüge wirklich prima. Heute (16.11.) stand die Höhle Akiyoshidō  (Höhle =dō = 洞) sowie das Kalksteinplateau darüber, Akiyoshidai (Plateau = dai = 台) auf dem Programm, und die Bushaltestelle lag an der Hauptstrasse, nur einige Gehminuten entfernt. Nach einem „Kitsune (=Fuchs) Milchkaffee“ im neu gebauten „Yuda Onsen Welcome Center“ waren wir für den Tag fit. Wir hätten auch noch unsere Füsse im warmen Fussbad baden können, aber dazu war dann die Zeit doch knapp.

Überhaupt wimmelt es in Yuda Onsen (und auch in anderen Badeorten Japans) von warmen Fussbädern, den „Ashi no yu (足の湯)“. Das ist eine nette Sache, denn dort kann man jederzeit und gratis seine Füsse baden und wärmen. Es empfiehlt daher, immer ein kleines Handtüchlein bei sich zu haben.

Das Thermalwasser in Yuda Onsen ist übrigens wirklich sehr heiss. Es kommt mit natürlichen 70°C aus der Erde und muss dann erst einmal tüchtig heruntergekühlt oder verdünnt werden, bevor es Badetemperatur erreicht. Onsen bedeutet in Japan nicht unbedingt zwingend heisse Quelle, sondern nur „heisses Bad“. Und wenn das Quellwasser irgendwo unter 40°C aus dem Boden sprudelt, wird es eben künstlich erwärmt, bis die für Japan optimale Badetemperatur von 42°C erreicht ist.

 

Die Busfahrt bis Akiyoshi, westlich von Yuda-Yamaguchi gelegen, dauert gut eine Stunde. Nach der Ankunft beim Buscenter läuft man noch ca. 200 Meter durch eine Ladenstrasse zum Eingang der Höhle. Die Läden liessen ahnen, dass sich hier in den wärmeren Jahreszeiten die Massen drängeln müssen. Schliesslich ist sie die grösste Höhle bzw. Tropfsteinhöhle Japans. Jetzt aber, Mitte November, war alles recht friedlich – bis auf 3-4 aufgekratzte Schulklassen, die wir kurz vor dem Eingang mal lieber erst an uns vorbeiziehen liessen. Eine Höhle voller Jugendlicher muss man sich akustisch gesehen ja nicht unbedingt antun…

Wobei sie uns mehrheitlich wohlerzogen alle mit „Harro“ (Hallo) und „Ohayo gozaimasu“ (Guten Morgen) grüssten. Aber wir wollten eh noch Fotos vom schönen Flussbett machen. Interessant war allerdings, dass um die Klassen herum ein mehr oder weniger professioneller Fotograf wuselte. So ein Ausflug muss wohl sauber dokumentiert werden.

Der Höhlenrundgang selbst ist perfekt aufbereitet und sogar bis mehrere hundert Meter rollstuhlgängig. Die Hauptsehenswürdigkeiten sind mehrere wirklich grosse Hallen mit über 30m Höhe und interessanten Tropfsteinformationen, die per Audiostationen erklärt werden. Hier sogar in vier Sprachen: Japanisch, Englisch, Koreanisch und Chinesisch. Sehr beeindruckend sind vor allem die grossen Sinterterassen.

Die Höhle ist eine der längsten in ganz Asien, fast 9 km lang, und man kann über 700 Meter in den Berg hineinlaufen. Dann teilt sich der Weg und endet in zwei Ausgängen: einen kürzeren ohne weitere Besonderheiten, bei dem man am Ende mit einem Lift bis aufs Plateau fährt. Und einen zweiten, schöneren Gang, mit noch einigen schönen Formen, der noch weitere 300 Meter lang ist, und dann in einer steilen Rampe aus dem Berg hinausführt. Danach muss man noch ca. 15 Minuten aufs Plateau hochwandern. Thom und ich entschieden uns für letzteren und kamen ziemlich ins Schwitzen.

Als wir oben wieder an die frische Luft kamen, wehte ein zackiger, eiskalter Wind, daher wanderten wir gleich weiter hoch aufs Plateau. Dort war es zwar schön sonnig, aber auch sehr windig. Das typisch japanische Schilfgras wedelte sehr fotogen und silbrig in der Sonne.

Überall auf der Hochebene sieht man die merkwürdigen Kalksteinformationen, die wie kleine Berge aussehen. Zudem ist noch alles durchsetzt von tiefen Senken ehemaliger, nun eingestürzter Höhlen. Die Karstlandschaft ist speziell und daher auch ein kleiner Nationalpark Japans. Ein Selfie durfte also schon mal sein.

Nach ca. 1 Stunde Spaziergang (Wanderung wäre übertrieben) machten wir uns wieder auf den Rückweg zur Busstation im Tal. Es war nach Mittag und wir wollten vor der Rückfahrt noch eine Kleinigkeit Essen. Auf dem Plateau gab es bis auf Kaffee nichts, und das Höhleneingangszentrum unten im Tal bietet da schon bessere Infrastruktur. Meist sind es grosse Omiyage-Läden (Mitbringsel-Shops), die noch einen Schnellimbiss für die Abfütterung der ganzen Gruppenreisenden betreiben. Häufig besteht das Angebot aus Soba- oder Udon-Nudeln, und das kann man eigentlich immer essen. Im Winter heiss in Suppe, im Sommer kalt mit einer Tunke.

Der Bus brachte uns dann wieder pünktlich zurück nach Yuda Onsen, wo wir uns auf unsere kleinen Velos schwangen und zu einem ca. 5 km am Berg gelegenen, sehenswerten Tempel losradelten, dem Ryuzo-ji. Dank Google Maps ist solch ein Unternehmen ja recht einfach geworden, und inzwischen können wir uns auch die Kanji (chinesische Schriftzeichen) besser einprägen oder bestenfalls sogar lesen. Daher konnten wir den Weg gut finden, allerdings ging es langsam und stetig durch das kleine Tal und die schmale Strasse nach oben. Blöd, dass Tempel und Schreine immer auf dem Berg liegen, hier am Ende des Tals.

Es war bereits 16 Uhr, und alles war dort erst einmal ganz friedlich. Wir bezahlten einen winzigen Besichtigungseintritt, und der Aufseher (oder Mönch, oder Aufpasser) erlaubte Thom zu seinem grossen Glück, die am Eingang wartende, sehr grosse Tempelglocke zu schlagen. Der Nachhall war beeindruckend. Blöd, ich hätte ein Video machen sollen. Die Gelegenheit gibt es nicht oft.

Der freundliche Mann an der Kasse gab uns eine kleine Privatführung am Tempel. Dieser ist vor ca. 1000 Jahren gegründet worden, und es gibt neben einigen älteren Gebäuden auch noch einige alte Statuen zu sehen. Besonders beeindruckend ist der ca. 900 Jahre alte Ginkgo-Baum, mit fast 50 Metern einer der höchsten und grössten Bäume der Präfektur. Unüberriechbar produziert er auch Samen. 😉 Die der japanischen Bäume sind jedoch viel grössere als die, die Thom und ich vor einigen Jahren beim Kunsthaus-Ginkgo gesammelt haben. Deshalb mussten wir natürlich ein Tütchen davon kaufen, allein, um uns für Thom’s Glockenschlag noch etwas bedanken zu können.

Als sich dann tatsächlich noch eine Busladung voller Menschen dem Tempel näherte, verzogen wir uns lieber hinter den Tempel, um noch den kleinen, romantische Wasserfall zu besichtigen.

Danach machten wir uns auch wieder auf den Rückweg. Bergab war die Fahrt jetzt natürlich ganz easy.

In einem Supermarkt kauften wir noch was zu Essen. Ein paar Sushi plus Bier würden uns für den heutigen Abend genügen.

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