Niigata-Stadt – 新潟市

Für Niigata-Stadt, Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur, hatten wir drei volle Tage zur Verfügung. Ob dies für die grösste Metropole am japanischen Meer mit über 750’000 Einwohnern genügend war? Zumindest schien es bei den Vorbereitungen so.

Niigata ist geprägt durch seine Lage zwischen zwei mächtigen Flüssen, die dort ins Meer münden: Dem aus dem Süden kommende Shinano, der der längste Fluss Japans ist, sowie dem noch breiteren Aganogawa, der in der Präfektur Fukushima entspringt.

Das Zentrum der Stadt befindet sich grob zwischen dem Bahnhof und dem alten Stadtzentrum Furumachi, welches zwischen dem Shinano-Fluss und dem Meer liegt. Die historische Bandai-Brücke, an der unser Hotel lag, bildet auch die Hauptachse. Ohne es vorab zu wissen hatten wir also unsere dortige Unterkunft perfekt gewählt. 😉

Generell ist es in Niigata eben, und so kommt man mit Velos/Fahrrädern sehr gut vorwärts. Nur entlang der Küste hat es mit dem alten Dünenkamm des West Coast Parks noch eine kleine Erhebung, aber da ist man auch zu Fuss schnell drüber.

Der erste Tag gönnte uns einen strahlenden Sonnenaufgang aus unserem Hotelfenster (mit Blick nach Osten).

Erst einmal brauchten wir Informationen zur Orientierung. Dazu suchten wir im modernen Bahnhofsgebäude, vor dem sich auch der Busbahnhof befindet, die  Touristeninformation auf.  Der Vorplatz war gerade eine mächtige Baustelle. Es war aber abzusehen, dass die Erneuerung sehr hübsch werden würde.

Bei den sehr hilfsbereiten Damen in der Info erhält man eine Fülle von Prospekten und Karten zu Niigata Stadt, aber auch der Präfektur. Auf die entsprechende Frage – wussten sie sogar, welche Museen geöffnet waren – und auch welche nicht. Chapeau! So erfuhren wir auch, dass das Städtische Kunstmuseum am übernächsten Tag wieder zugänglich sein würde. Die meisten anderen Museen waren aber geschlossen. Wir merken langsam: Oktober-November scheint keine optimale Phase für museumsaffine Menschen zu sein…

Immerhin konnten wir uns einen Eindruck von der Stadt verschaffen. Hauptsächlich würden wir uns zentralen Stadtbezirk Chuo-ku aufhalten, in dem die interessanten Quartiere Furumachi, Bandai und Nuttari beheimatet sind.

Einen halben Tag widmeten wir uns erst einmal dem Viertel Furumachi. Dort liegen einige Sehenswürdigkeiten wie z.B. die überdeckte Einkaufspassage, alte Villen, das Stadtmuseum oder auch das Aquarium, von wo es sich auch noch einen Blick aufs Meer werfen lässt. Wir hofften auf eine kleine O-Bento-Pause im Küstenpark mit schöner Aussicht. Letztendlich sassen wir dann aber im Dünen-Wäldchen mit beeindruckenden, von Wind und Wetter krumm gewachsenen Kiefernbäumen.

Für die Sicht aufs Meer muss die Autostrasse überquert werden. Bei schönem Wetter sieht man in der Ferne die Insel Sado. An der Küste befindet sich auch das Niigata City Aquarium, welches wir aber nicht besucht haben.

Etwas nördlich der Hauptstrasse 116, die die Bandai-Brücke überquert, liegen das Städtische Kunstmuseum und die Saito Villa nahe beieinander. Und auch das Northern Culture Museum Niigata Branch, welches aber geschlossen war.
Zur ebenfalls sehenswerten Ozawa Family Residence ist es ein Stück weiter zu laufen bzw. zu radeln, aber so lässt sich links und rechts des Weges noch viel Spannendes entdecken. Genau dies hat uns in Niigata sehr positiv überrascht: Es gibt noch viele historische, traditionelle Häuser, kleine Gassen, oder eine alte, nun etwas einsam wirkende Einkaufsstrasse. Gut vorstellbar, wie dort in den früheren Jahrzehnten das Leben pulsierte. Wir kamen mit den Velos nur langsam voran, weil wir ständig für Fotostopps halten mussten. 😉 Niigata ist ein echtes Eldorado für Fotografinnen und Fotografen.

Das traditionelle Gebäude der Saito Villa  ist ein Must See der Stadt. Das zweistöckige, reine Wohnhaus in einer Nebenstrasse ist ausserdem von einem schönen japanischen Garten umgeben – inklusive Kois im Teich.

Dagegen ist die Ozawa Family Residence ein typisches Handel- und Wohnhaus mit ehemaliger Ladenfront, und es zeigen sich viele Stilelemente eines klassischen japanischen Hauses, zudem zeigt sich. Die wohlhabenden Eigentümer richteten ihre Räume elegant ein, und ein kleiner Garten ergänzt das Ensemble. Irgendwie waren wir wohl schon etwas fotografiermüde, daher gibt es nur eine Aufnahme vom Garten, und eine von der Strasse aus (das dunkle Gebäude im Hintergrund).

Von der Ozawa Residence ist es dann noch ein Kilometer weiter zum Flussufer des Shinano. Dort gibt es gleich drei interessante Häuser zu sehen. Das ehemalige Niigata  Zollhaus ist mit seinem sehr dekorativen Türmchen auf dem Dach sehr leicht zu identifizieren.

Im alten, 1869 erbauten Meiji-Gebäude, ebenfalls einem ehemaligen Zollhaus, befindet sich heute das «Minatopia: Niigata City History Museum», für dessen Besuch wir leider keine Zeit hatten.

Das Ensemble ist dann komplett mit dem dritten Bauwerk, einer einstigen Filiale der Daishi Bank, ebenfalls aus der Meiji Zeit. Dort beobachteten wir etwas belustigt ein komplett ausstaffiertes Brautpaar, begleitet von einer Mini-Crew, welches an dem zauberhaften Herbsttag wohl sein Prä-Hochzeitsshooting erledigte. Bis zum mit den Ballonen signalisierten Datum (29.11.) war es ja noch eine Weile hin. 😉

Von der dortigen Uferpromenade des Shinano aus hat man die Landzunge Bandaijima vor Augen. Charakteristisch ist das Hochhaus des Toki Messezentrums, welches wir am übernächsten Tag noch besuchen würden.

Gleich daneben ist auch das Terminal für die Fähre zur Insel Sado. Es war vier Uhr nachmittags und die Car Ferry machte sich zur Abfahrt bereit. Lautstark mit Schiffshorn und dem Start der Motoren. Unübersehbar auch, wieviel Feinstaub solch ein Schiff in die Atmosphäre pustet…  🫤

Für den nächsten Tag hatten wir einen Ausflug ins «Northern Culture Museum» etwas ausserhalb vorgesehen (Beitrag folgt).

Daher war ein zweiter Niitata-Tag erst am Samstag (1.11.) fällig, was gut war, den es war deutlich weniger Verkehr in der Stadt und somit angenehmer, per Velo unterwegs zu sein. Nur leider war es ziemlich bewölkt, aber es blieb vorerst trocken. Also passend für den ersehnten Besuch des Niigata City Art Museums. Die Sammlung ist durchaus interessant, vor allem gefiel uns auch das hübsche Ensemble der Obst- und Gemüsebilder.


(Das Foto ist vom Vortag mit besserem Wetter… 😉)

Weiter ging es zum Toki Messezentrum auf der Bandaijima Halbinsel. Das dortige Museum war ja leider geschlossen, aber das Aussichtsstockwerk war geöffnet. Und wenn man es schafft, im grossen Gebäude den richtigen Aufzug zu finden, hat man vom 31. Stockwerk aus einen beeindruckenden Blick auf die Stadt und ihre Umgebung. Und alles sogar gebührenfrei.

Von oben schauten wir dann auch schon auf unser nächstes Ziel. Es war schon nach Mittag, und der «Minato Marche Pier Bandai» war der perfekte Ort, um etwas Leckeres zu essen. Es gibt einen umwerfende Auswahl an Frischfisch und Zubereitungen (Sashimi und Sushi) sowohl für die Einheimischen als auch einige Tourist:innen.

Neben dem Sashimi konnten wir den gegrillten Köstlichkeiten nicht widerstehen. Dazu noch ein Bier, und die Mahlzeit war komplett. So was Frisches und Feines würden wir so bald nicht wieder bekommen…  Zum Glück fanden wir noch ein Plätzchen draussen, denn es war viel los.

Das daran anschliessende Quartier zwischen dem Shinano und dem Agano-Fluss heisst Nuttari. Im einstigen Handelsviertel wurde traditionell viel gebraut und fermentiert, wie z.B. Miso, Sojasauce, Sake – und auch Bier. Es gibt immer noch zahlreiche Hersteller, und die Zeit für einen detaillierten Besuch würde mal wieder nicht reichen, denn es war bereits Nachmittag geworden. Zudem hatte der Himmel auch etwas bedrohlich zugezogen. Nuttari besteht aus einem interessanten Mix aus traditionellen Häusern, «gewürzt» mit modernen Bauten in neuem Stil.

Es gibt also – wie in Furumachi – viel zu entdecken und zu fotografieren. Kurz vor der Mikro-Brauerei, die wir ansteuerten, kamen wir sogar noch an einer traditionellen Tofu-Herstellung vorbei. Kato-san, der Meister, war sehr freundlich als ich neugierig hineinschaute, liess mich ein Foto machen, und erklärte mir auf Nachfrage, dass er seine Produkte vor allem an Kliniken und Schulen verkaufen würde (und nicht an Supermärkte). Klingt nach guter Qualität und einem sicheren Geschäftsmodell. Direkt kaufen kann man übrigens auch.

Uns zog es in den Tap Room von «Nuttari Beer», und während wir uns dort durchs flüssige Angebot im schön renovierten, traditionellen Haus süffelten, ging dann tatsächlich ein veritables Unwetter hernieder. Gut, dass wir im Trockenen sassen. Zum Glück hörte es bald wieder auf, aber an weitere Entdeckungen war eher nicht zu denken.

Also machten wir uns auf den Rückweg ins Hotel, zumal es dann auch bald dunkel werden würde.

Schade, wir hatten dann doch zu wenig Zeit gehabt, mehr von Nuttari zu sehen. Und auch von Furumachi, und natürlich Niigata insgesamt, sowie noch einigen interessanten Spots in der Umgebung. Also definitiv ein Grund, wiederzukommen. 😉

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