Das Ding mit den Postpaketen

Seit vielen Jahren werfen wir ja regelmässig Ballast ab (z.B. Souvenir- und Lebensmittelkäufe, nicht mehr Benötigtes, etc.). Meist schleppen wir alles zur Post, kaufen dort eine entsprechen grosse „Yupak“-Schachtel für 200-400 YEN und packen alles im Postamt ein. Häufig gibt es sogar Klebeband gratis zum Zukleben (hier 2017 in Nagasaki ☺️).

Wie bereits erwähnt ist der Versand von internationalen Paketen seit ca. 2021 (aufgrund der Bestimmungen des Weltpostvereins) komplizierter und strenger geworden. Der Inhalt muss wie üblich deklariert sein, aber nun ist es (international) zwingend, dies online zu tun.

Seit 2009 haben wir immer wieder Pakete mit sehr unterschiedlichem Inhalt nach Hause geschickt. Eigentlich alles, was für den zwei- bis dreimonatigen Seeweg geeignet war: zahlreiche Souvenirs, Porzellanwaren, Lebensmittel mit längerer Haltbarkeit, ausgelesene Bücher, etc. Es war praktisch und nicht so sehr teuer. Jedenfalls einfacher, als das Zeug mitzuschleppen. Ab und zu war gab es auch mal ein schnelleres SAL-Paket mit leichterem Inhalt, z.B. Senbei (Reiscracker). Die teuren EMS-Pakete gaben wir nur sehr selten auf, da sich dort meistens auch der Schweizer Zoll einmischte und Zollgebühren kassieren wollte.

Bis einschliesslich 2020 hatten wir alles immer spontan zur Post bringen und die Formulare von Hand ausfüllen können (siehe oben). Nun ist alles anders.

  • Zuerst muss man ein Konto bei «International Mail my parcel service Japan» eröffnen  Dazu braucht es eine gültige Mailadresse und ist an sich problemlos. Das Konto wird nach einem Jahr Inaktivität wieder gelöscht.
  • Man erstellt eine neue Sendung mit «create label». Zudem gibt es die Möglichkeit, Adresslisten anzulegen oder seine Sendungshistorie anzuschauen.

  • Beim nächsten Schritt gibt man seine Absenderadresse ein (z.B. die Hoteladresse), anschliessend die des Empfängers. Alles easy.

  • In Schritt 3 muss man bestimmen, wie man das Paket versenden möchte, z.B. ein schwereres Paket per „Surface“ (=Schiff, Dauer 2-3 Monate, siehe Beispiel unten).
    Neu gibt es die Möglichkeit des „International ePaket light“ bis 2 kg wenn es schnell gehen soll. Es ersetzt in etwa das frühere SAL-Paket.

  • Nun wird es spannend: das Auflisten und Deklarieren des Inhalts inklusive der internationalen Warencodes (HS Codes bzw. Taric/Tares-Codes). Das sind die internationalen Zolltarifnummern. Denn schliesslich will man ja genau wissen, was da so alles durch die Gegend geschickt wird. Könnte ja sonst jeder mit irgendwas kommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für ein Paket mit vielfältigem Inhalt heisst es also Zeit einplanen und grübeln, um alles ordnungsgemäss zu deklarieren.  Empfehlenswert ist in jedem Fall die Recherche in englischer Sprache über die japanische HS-Seite. Vor allem, weil man auf den europäischen Zolltarif-Seiten keine der diversen japanischen Produkte und Spezialitäten finden kann. Tsukemono, Algen oder Reiscracker? Totale Fehlanzeige auf den europäischen (nationalen) Seiten. Kann man vergessen.

Trotzdem bleibt anderes weiter herausfordernd. Wie deklariert man z.B. einen einzelnen Oya-Stein in Form eines Blumentöpfchens?  Geht dieser vielleicht unter «68 – Waren aus Gips, Stein oder Zement» ? Oder doch eher unter «6912 – Keramikgeschirr, Haushaltsartikel, Hygienegüter» bzw. der entsprechenden Untergruppe?

Da haben die internationalen Post-Beamten sicher nicht an den gewöhnlichen Touristen oder Kleinbürger gedacht, der einfach mal ein paar Souvenirs nach Hause schicken möchte…

Man schwankt wechselnd zwischen Verzweiflung und Lachanfall, gibt dann letztendlich das Passendste ein und hofft das Beste. Nebst dem Code braucht es auch  noch die Anzahl der Waren plus Preis pro Exemplar.

Die „Mailing-related information“ kann überwiegend übersprungen werden, da – mangels Waage – z.B. das Endgewicht des Pakets nicht bestimmt werden kann.
Jedoch würde ich zur Sicherheit empfehlen, bei den Angaben zur „failed delivery“ die Angabe „Redirect“ anzukreuzen und eine alternative Adresse (z.B. Büro oder Bekannte:r) anzugeben. Man weiss ja nie was passiert…

Ist alles eingegeben, finalisiert man den Prozess und generiert das Formular, welches einem dann per Mail zugeschickt wird. Hat man sein Mailpostfach mit dem Handy synchronisiert kann man dann (inklusive Paket) zum Postamt marschieren und dies den freundlichen Postbeamten höflich zeigen bzw. bitten, das Ganze auszudrucken. Alle haben vollstes Verständnis, wenn man erklärt, dass man als Reisender keinen Drucker bei sich führt. 😉

Aber Achtung: Die Liste des Inhalts wird dann nochmals sehr sehr sorgfältig von den Beamt:innen geprüft. Und da gibt es durchaus Überraschungen. Z.B. beim Versand von Salz in die Schweiz? Geht gar nicht wegen des Salzmonopols der Schweiz.
Auch bei Sojasauce, die ja sehr salzhaltig ist, mussten wir einst gut zureden… Nigari, eine Salzlake zur Herstellung von Tofu, hat ein kurzes Zögern verursacht.
Blumen- oder Gemüsesamen? Geht gar nicht, also besser im Koffer schmuggeln.

Dazu muss man dann noch diverse „Unbedenklichkeitsformulare“ unterschreiben, etwa dass nichts Brennbares, Waffen, Drogen oder andere gefährlichen Güter im Paket drin sind.
Und wenn dann alles o.k. ist, dann geht das Paket seinen Weg und kommt in 2-3 Wochen (per Flugzeug) oder nach 2-3 Monaten per Schiff zuhause an. Der Empfang füht sich in jedem Fall  immer wie Weihnachten an. 🎁🤩  Und alle Mühsahl ist vergessen.

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