Ausflug nach Iwate - 平泉

朝早くに地震がありました(震度4)。初めてでしたが、怖くなかったです。今日平泉に行ったり、有名なお寺を見たり、それに田尻さんに会ったりします。

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Irgendwann in der Nacht wachten wir beide gleichzeitig auf. Das Bett schaukelte sanft und schien wie auf Murmeln zu rollen. Ein Erdbeben! Es ruckelte vielleicht 20-30 Sekunden, wir waren überrascht, dass wir (endlich) mal eines mitbekamen. Angst hatten wir keine, denn erstens war es – für Japan – kein sehr starkes Beben (etwa Stärke 5.4, wie wir am nächsten Morgen aus den Nachrichten erfuhren), und ausserdem fühlte ich mich in unserem Hotel recht gut und sicher aufgehoben. Dass wir das Erdbeben im geplagten Tohoku erlebten, war allerdings auch kein Wunder.

Heute war der Ausflug nach Hiraizumi angesagt, sowie ein Treffen mit Tajiri-san, dem Freund von Imai Junichii, des Mannes unserer Lehrerin in Matsuyama. Dieser wollte uns zu einem befreundeten Bauern mitnehmen und uns in die Geheimnisse der japanischen Landwirtschaft einzuweihen. Nach der schnellen Shinkansen-Fahrt nach Ichinoseki folgt noch ein kurzes Stück im Regionalzug. Um kurz nach 9 Uhr standen wir vor dem kleinen, sehr neuen und herausgeputzten Bahnhof.

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Das kleine Örtchen Hiraizumi ist jetzt, dank seiner rumreichen Vergangenheit von 1000-1200 und u.a. seines berühmten Tempels Chūson-ji (中尊寺), Unesco-Weltkulturerbe. Wir vermuteten also entsprechenden Besucheransturm. Als wir jedoch zu unserem ersten Besichtigungsziel radelten, waren noch nicht viele Leute unterwegs. Und bei der Takadachi Gikeido, der Yoshitsune Gedenkhalle, waren wir sogar die Ersten. O.k., es war auch noch recht früh.

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Das hölzerne Monument erinnert an den tragischen Helden Minamoto no Yoshitsune, der hier 1189 starb. Seine Geschichte kannten wir grob vom Kabuki-Stück „Yoshitsune no senbun sakura“, das wir vor 2 Jahren in Kyoto gesehen hatten. Und Imai-san hatte mich in einer Unterrichtsstunde auf diesen kleinen Ort hingewiesen. Ohne diesen Tipp – und ohne die Schriftzeichen dafür zu kennen – hätten wir diesen Platz nie gefunden! Der Ausblick auf das breite Tal des Kitakami-Flusses war wirklich wunderschön. Und ich gestehe, das traurige Ende von Yoshitsune rührt mich doch etwas …

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Weiter ging es (mit den Velos geht es ja schnell) zum grossen Tempelkomplex des Chūson-ji, der auf einem langestreckten Bergrücken verteilt ist. Wieder einmal waren die Alleen mit den alten Zedern beeindruckend.

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Das berühmteste Gebäude unter der Vielzahl von Bauten, die im ganzen Wald lose verstreut lagen, ist allerdings eine ältere, kleine Version des berühmten Kinkaku-ji, des goldenen Tempels in Kyoto. Der Konjiki-dō in Hiraizumi ist zu Beginn der 60er Jahre restauriert worden und – zwecks Schutz – von einem weiteren Gebäude ummantelt. Drinnen waren Fotos natürlich verboten. 🙁

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Sehr schön fanden wir auch die prachtvolle, hölzerne Nōh-Theaterbühne am Ende des Tempelgebiets.

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Dann waren wir erst einmal schlapp und mussten im sehr schönen, neuen Kaffee-Restaurant eine Pause machen. Es war wieder sehr, sehr heiss geworden, und das kalte Nudelgericht sowie ein grosser Eiskaffee kühlten uns wieder etwas herab. Auf der wunderschönen schattigen Veranda zu sitzen und die Aussicht auf die Landschaft zu geniessen, war wirklich sehr entspannend.

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Inzwischen war es 12 Uhr geworden, und es herrschte das übliche Massen-Tourismus-Getümmel mit Reisegruppen,  Gruppenfotos, Devotionalienverkauf, … Zum Anschauen  sehr unterhaltsam. Es lebe der Unesco-Weltkulturerbe-Status, der dies stets garantiert! 😉

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Beim nächsten Weltkulturerbe-Teil ging es ruhiger zu. Die Attraktion des Mōtsū-ji ist der älteste, in der Heian-Ära (12.Jh.) gestaltete Landschaftsgarten.  Der ursprüngliche Tempel ist lange zerstört.

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Diese Steinlaterne und den Buddha hätten wir gerne mitgenommen …

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Es war inzwischen fast ein Uhr, und wir kamen nun etwas in Stress. Um 14:30 Uhr würden wir uns mit Tajiri-san am Bahnhof treffen. Aber da war ja noch die nächste Sehenswürdigkeit, die wir „abhaken“ mussten. Den von Hiraizumi 6km entfernten Felsentempel Takkoku no Iwaya Bishamon-do.

Wir radelten sehr zügig, trotz der Hitze, und es gab sogar einen kleinen Veloweg entlang der Regionalstrasse, die durch wirklich sehr ländliches Gebiet führte. Ziemlich klatschnass kamen wir am Tempel an. Es war grade mal ein Mensch da, und die sehr freundlichen Kassen-Damen boten uns eine Tasse kalten Getreide-Tee an. Was für ein Service!

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Wir verstanden nicht so recht, warum dort niemand hinfährt. Den kleine Tempel direkt an der Strasse fanden wir ausgesprochen idyllisch und sorgsam gepflegt.  Der kleine Felsentemel war auch speziell, genauso wie der grosse in den Fels gehauene Buddha.
Doch scheinen die meisten Hiraizumi-BesucherInnen sich den kleinen Umweg zu ersparen. Selbst Tajiri-san fragte uns später verwundert, warum wir dorthin gefahren sind. Tja, es ist halt wohl kein Unesco-Weltkulturerbe … Für uns war der kurze Abstecher jedenfalls sehr lohnend.

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Nach gut 20 Minuten machten wir uns wieder auf den Rückweg, und unsere Velos rollten fast von alleine die sanfte Steigung hinab. Ich hatte bei der Hinfahrt gar nicht gemerkt, dass es so stetig, da flussaufwärts, bergan gegangen war!  So blieb etwas Zeit für ein paar Fotos von der Landschaft und den Reisfeldern.

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Pünktlich um 14:20 Uhr kamen wir wieder am Bahnhof an, wo wir Tajiri-san trafen. Wir kannten ihn zwar nicht, aber er erkannte uns und redete Thom an. O.k., es war vermutlich wenig wahrscheinlich, dass ein anderes Gaijin-Paar mit dem Velo in Hiraizumi grade um diese Zeit unterwegs war … 🙂

Tajiri-san und Thomas

Wie vorher abgesprochen wurden die Velos eingepackt und ins kleine Auto verfrachtet. Die Konversation verlief auf Japanisch, denn Tajiri-san traute seinen English-Kenntnissen nicht so recht. Also gut, wozu haben wir Japanisch gelernt! Also quatschten wir tapfer während der Fahrt über sehr kurvige Bergstrassen Richtung Osten. Wir haben die Orientierung natürlich schnell verloren. Doch wir haben – dank einiger topographischer Überlegungen –  den Bauernhof in Google Maps tatsächlich wieder gefunden!

Es ist ein mittelgrosses Anwesen, mit Reis-, Obst- und Gemüseanbau sowie etwas Milchproduktion. Vom prachtvollen hundertjährigen Bauernhaus mit seinen alten, sehr glänzenden Holzdielen und der offenen Feuerstelle traute ich mich nicht, ein Bild zu machen. Die Bauersleute kamen, wir wurden bewirtet mit Limonade aus roten Shiso-Blättern und Zuckermelone. Der Bauer, Satō-san, war vor 25 Jahren sogar mal in Deutschland gewesen, um auf einer Genossenschafts-Reise die deutsche Milchwirtschaft kennen zu lernen. Er erzählte uns vom fallenden Milchpreis und dem doch sehr harten Dasein als Familienbetrieb. Es klang nicht anders als bei uns. Die kleineren Betriebe kämpfen auch in Japan sehr ums überleben. Jede (kostenlose) Hand muss mithelfen. Nun war der Vater krank, und Satō-san musste seine Arbeit irgendwie mit übernehmen.

Wir bewunderten auch sehr das neu aussehende Lagerhaus (im Hintergrund des Fotos). Dieses war beim grossen Erdbeben am 11.3.11 zerstört und erst vor kurzem – dank der Erdbebenhilfe – wieder neu aufgebaut worden.

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Als Doitsu-jin aus der Schweiz waren wir natürlich sehr exotisch. Und die Birdy erregten allergrösstes Aufsehen – insbesondere ihr Preis. Ehrlich gesagt war mir das etwas peinlich …

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Tajiri-san führte uns dann auf der Farm herum. Die Milchkühe sahen leider nicht so glücklich aus. Anstatt draussen auf der Wiese Gras zu fressen, mussten sie im Stall stehen und bekamen Heu. Die radioaktive Belastung ist offenbar zu hoch, um sie draussen grasen zu lassen. Also doch. Fukushima hat auch in Iwate stärkere Spuren hinterlassen als allgemein bekannt ist.

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Immerhin hatte (im grösseren Stall) fast jede Kuh einen eigenen Ventilator. Leider war es zu dunkel, um ein Foto zu machen.

Wir lernten Satō-sans Mutter kennen, einer winzig kleinen Frau, die zum ersten Mal im Leben echte Gaijin kennen lernte. Wir mussten bei ihrem Iwate-Dialekt schon ziemlich die Ohren spitzen, obwohl sie sich sicher grosse Mühe gab. Sie freute sich, mit uns zu reden, fragte uns, was wir denn so alles essen würden in Europa/der Schweiz, und schenkte uns drei gigantisch grosse Tomaten. Schliesslich waren wir ja grosse Menschen, dann müssten wir auch grosse Tomaten bekommen. Diese wirkten noch ziemlich unreif, aber sie versprach uns, dass sie in drei Tagen rot sein würden. So war es dann auch, und sie schmeckten sehr gut.

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Auf der Farm wurde alles angebaut: Reis, mittlere Mengen sehr viele verschiedene Gemüsesorten, etwas Obst (Melonen, Pfirsiche), so, dass immer etwas saisongerecht verkauft werden kann. So kommt zwar immer etwas in die Kasse und das Risiko ist verteilt, aber der Mischbetrieb macht dann auch permanent Arbeit. Das kennen ja selbst wir Hobby-Gärtner.

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Tajiri-san erklärte uns sehr viel, von der Reisproduktion über verschiedene Gemüsesorten. Es war wirklich sehr spannend.

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Die Sonne verschwand langsam hinter den hohen Bergen. Wir mussten uns Gedanken über den Rückweg machen. Noch ein Freund des Bauers kam vorbei, Nyūi-san, und nach einem längeren hin und her, bei dem wir dann sprachlich nicht mehr so recht mitkamen, wurde beschlossen, dass die beiden uns (gemeinsam) nach Ichinoseki fahren würden, um mit uns noch etwas essen zu gehen.

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Es folgte dann ein Abend, denn wir nicht so leicht vergessen werden. Thom setzte sich mit Tajiri-san in dessen Auto, das Nyūi-san und mir hinterher fuhr. Nyūi-san sprach gar kein Englisch, also munter auf Japanisch geradebrecht. Thom (wie er hinterher erzählte) ebenso mit Tajiri-san, wobei sich dieser bemühte, ihm ein „männlicheres“ Japanisch beizubringen. Er müsse immer ‚boku‘ sagen, nicht ‚watashi‘ (und er hat ja recht).

Es ging die kurvigen Bergstrassen hinunter nach Geibikei, Nyūi-san permanent am Telefon, um sich bei mindestens drei verschiedenen Bekannten zu erkundigen, wo man denn in Ichinoseki einigermassen ordentlich essen gehen könnte. Obwohl er da sehr geübt schien, war es mir nicht so ganz wohl.  Telefonieren am Steuer ist auch in Japan nicht erlaubt, aber das störte Nyūi-san offenbar ganz und gar nicht. 🙂

Zweimal verloren wir dann an irgendwelchen Ampeln unsere Hintermänner Tajiri-san und Thomas, und es musste natürlich wieder telefoniert werden, um sich wiederzufinden.

In Ichinoseki angekommen, fanden wir das Restaurant zwar mit Hilfe eines weiteren Telefonlotsen, es hatte aber geschlossen, ebenso das zweite und dritte Haus.  Nach fast einer Stunde suchen und lotsens in der Stadt (wobei wir wegen der strengen Einbahnstrassen mindestens drei mal die immer gleichen Kreuzungen querten)  fuhren die Herren erst einmal zum Bahnhof, wo wir beratschlagen wollten. Sie waren nun wirklich ratlos. So gut schienen sie sich in dieser Stadt nicht wirklich auszukennen  …

Schräg gegenüber des Bahnhofs entdeckte ich dann zufällig ein unscheinbares Restaurant mit seinem charakteristischen Schriftzug „Unagi“ – also ein Restaurant, in dem man japanischen Aal essen konnte. Vorsichtig fragte ich Nyūi-san, ob er denn das gesehen hätte. Nein, und er fragte mich hoffnungsvoll zurück, ob wir denn gerne Aal esser würden? Er würde Aal lieben! Auch Tajiri-san war ebenso angetan. Welche Erleichterung! Der Abend war gerettet, und die beiden bewunderten auch noch meine Findigkeit … 🙂

Das Unagi-Restaurant war dann sogar wirklich gut, ein richtig uriger Familienbetrieb, in das Thom und ich vielleicht auch nicht so einfach hineingegangen wären. Und ich schaffte es zudem noch, alles zu bezahlen, ohne dass die Herren etwas gemerkt hätten.  Sonst wären wir natürlich wieder eingeladen worden, und das wollten wir auf keinen Fall. Unagi ist zur Saison für japanische Verhältnisse eher ein teures Essen. Schade, dass es für ein Abschiedsfoto schon zu dunkel war!

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田尻研治さん、新田小枝さん、佐藤そうじ、さん、乳井昭道さん、今井郁子さん順一さん

昨日の午後は本当に楽しくて、面白かったです。田尻さんはとてもきれいな農家を見せて
くれました。美味しいメロンや赤しそジュースも食べてと飲んでくれました。
日本の農園でたくさん習いました。みんなさんはとても親切です。

どうもありがとうぎざいました。

来週、トマスさんと私はスイスにかえります。チューリッヒで私たちは日本語を上手になるためにたくさん勉強をしたいです。

皆様にどうぞよろしく。

シルビア、トマス

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