Aomori: Zwei neue Museen und ein altes Dorf – 青森県立美術館、三内丸山遺跡、国際芸術センター青森

Imai-sensei, unsere Lehrerin, hat mir während der Privatlektion den Reiseplan gezeigt, den ihr Mann für ihre im Oktober geplante Reise nach Tohoku aufgestellt hat. Da war alles haargenau festgelegt, inklusive Ab- und Ankunftszeiten. Generalstabsmässig.

Als wir uns darüber unterhielten, wann wir denn wann wo sein würden, konnte ich das nur vage beantworten, denn es sind zwar unsere Hotelübernachtungen festgelegt, aber der Rest des Programms, das „Feintuning“, hängt vom Wetter und anderen Faktoren (Laune, Lust, …) ab.

Am ersten Aomori-Tag war uns das Wetter erst einmal nicht sehr hold, also nahmen wir uns ein Programm inklusive Regenschirm vor: Der Besuch des Aomori Prefectural Museum of Art stand wegen der interessanten Architektur sowieso auf unserem Reiseplan. Die archäologische Sehenswürdigkeit, Überreste eines Dorfes aus der Yomon-Zeit, lagen ganz in der Nähe, das liess sich gut verbinden.

Somit liessen wir die Birdys heute ruhen, es hätte wenig Sinn gehabt, und Bus fahren macht ja schliesslich auch Spass.  Und die Touristeninformation lag zwischen Bahnhof und Hotel, ca. 20 Meter, und da konnte man auch gut fragen, zu welcher Haltestelle man gehen musste.

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Das 2006 von Aoki Jun entworfene Präfektursmuseum liegt einige Kilometer ausserhalb Aomoris an der Stadtgrenze, praktisch auf der grünen Wiese. Das Bauwerk besteht aus weiss gestrichenem Backstein und dunkelbraunem Beton, was sehr gut zueinander passt. Jedoch hat die Farbe auf dem Backstein die Witterung der letzten Jahre nicht wirklich gut überstanden, sie beginnt abzublättern, was leider einen etwas ältlichen Eindruck hervorruft. Schade. Ob der Architekt die Witterungsverhältnisse bei der Planung miteinbezogen hat?

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Innen sah es dann aber gut aus. Das Museum ist gut zur Hälfte in die Erde hineingebaut worden, und die Ausstellungsräume sind teilweise gigantisch gross und hoch. Ein paar Fotos wären schön gewesen, aber das war sehr streng verboten, und von einem Rudel freundlichen, alles überwachender Aufseherinnen streng kontrolliert. Auch dass man exakt den richtigen Rundgang ging. Keine Chance, eine Abkürzung zu wählen, die hatten jeden voll im Blick, und man wurde sofort wieder höflich in die richtige Richtung gewiesen … 🙂

Die aktuelle Ausstellung, etwas mit Luft und Kunst, entpuppte sich als merkwürdige Mischung zwischen 80% Modellflugzeuge, 10% Kunst und 10% restlichen Artefakten. Uns erschloss sich das jedenfalls nicht wirklich. Von der Sammlung war wenig zu sehen. Das Bekannteste, was sie haben, sind vier riesige Theaterbilder von Chagall sowie ein paar Installationen von Nara Yoshimoto, einer auch international bekannten Künstlerin. Ganz besonders witzig ist der riesengrosse Hund. Ich hatte ihn zwar auf Bildern gesehen, hatte aber keine Ahnung, welchen Bezug er zum Museum hatte. Nun, hier passt er perfekt in seine grosse Nische. Man kann ihn von innen aus betrachten, aber auch über einen verwinkelten Weg zu ihm gehen.

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Hier übrigens noch eine sehr japanische Sache: das Schirmdepot. Funktioniert nach dem Einkaufswagenprinzip: Schirm rein, Schlüssel ziehen. Gibt es auch in der Münzvariante (gemäss Einkaufswagenprinzip).  Man findet diese Teile vor Museen bzw. öffentlichen Einrichtungen. Denn sobald Regen angesagt ist, muss der Schirm, den jede Person mit sich trägt, ja irgendwann geparkt werden. Praktisch, nicht wahr?

Auch Thom schloss seinen in Shizuoka gekauften Japan-Schirm dort ein. Der Schirmkauf war allerdings eine gute Wetterversicherung. Er kam ca. 5 Minuten zum Einsatz, danach war das Wetter besser.

Regenschirmdepot

Das nur 15 Fussminuten entfernte nächste Besichtigungsziel war Sannai Maruyama, ein Dorf aus der Jōmon-Zeit (10’000-300 v.Chr.) und seit einiger Zeit auch UNESCO-Weltkulturerbe. Auch dort gab es ein funkelnagelneues Besucherzentrum und Museum, wo wir erstmal eine kleine Pause einlegten und uns mit lokalen Spezialitäten stärkten, die im Café angeboten werden.

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Sannai Maruyama besteht aus einigen rekonstruierten Hütten sowie einigen rundlichen, speziell klimatisierten Pavillons, in denen man die Original-Ausgrabungen besichtigen kann. Das Gelände ist recht gross, aber noch nicht vollständig erschlossen. An einigen Stellen werden weiterhin Grabungen durchgeführt, und die Forschungen scheinen noch nicht abgeschlossen zu sein. Das Museum zeigt relativ viele Fundstücke, insbesondere Töpferwaren, die teilweise sehr gut erhalten sind.

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Nach Ablaufen des Rundgangs (hier waren Auslassungen möglich), der Besichtigung der Hütten und Pavillons  waren wir dann schneller als geplant fertig. Es blieb also tatsächlich noch Zeit für Ziel Nr. 3, dem Aomori Center of Contemporary Art. Architekt: Ando Tadao. Das durften wir uns nicht entgehen lassen! Allerdings lag das Zentrum in einer völlig anderen Richtung, also wieder mit dem Bus zurück in die Stadt, wo wir in der freundlichen Touristeninformation zum richtigen Bus gewiesen wurden.

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Und so standen wir eine knappe Stunde später im wahrsten Sinne des Wortes im Wald, denn der für ein „Artists in Residence“-Programm errichtete Gebäudekomplex liegt wirklich sehr idyllisch inmitten einem Waldstück in den letzten Ausläufern Aomoris.

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Das Grün, die Stille, Vogelgezwitscher, Tadao Ando’s charakteristische Konstruktionen und Wasserbecken gaben dem ganzen eine sehr spezielle Atmosphäre.

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Es war friedlich und wohltuend, da eine Stunde lang herumzuschlendern. Eine Installation gab uns zuerst Rätsel auf, bis Thom dann entdeckte, was sich hinter dem merkwürdigen Steinmuster verbarg.

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Dass die kleine Wasserschildkröte, die im Ando-Wasserbecken in ihrem Gehege schwamm, zu den Installationen gehörte, bezweifelten wir aber stark…

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In den beiden Ausstellungsräumen waren Installationen der vor kurzem dort tätigen Künstler zu sehen. Eine fanden wir recht gelungen: Der Künstler hatte lange Pflanzenwurzeln so an der Wand befestigt, dass sie eine kleine „Naturpartitur“ bildeten. Man konnte sie dann auf dem Klavier nachspielen.

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Pünktlich mit der Schliessung des Zentrums um 17:30 Uhr machten auch wir wieder Feierabend.  Nach einem Tag ohne unsere Birdys waren wir doch recht fusslahm und freuten uns schon, uns in unserem warmen Bad entspannen zu können.

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