Ginzan Onsen – 銀山温泉

Ginzan Onsen gilt als einer romantischsten Onsen-Orte Japans. Seit der letztjährigen Touristeninvasion ist das Dorf mehr als überlaufen und musste während der Winterfeiertage und japanischen Neujahrsferien sogar kurzzeitig wegen Überfüllung gesperrt werden. Klingt somit bedrohlich abschreckend, und solche überlaufenen Orte sind an sich nicht so unser Ding. Andererseits macht es auch neugierig zu schauen, was alle Welt dort so spannend findet. Also hin.

Ginzan Onsen bedeutet übersetzt «heisse Quelle am Silberberg». Viele Orte mit Silberminen heissen Ginzan (z.B. Iwami Ginzan, siehe Blogbeitrag 2017). Hier wurde in der nahegelegenen Nobezawa Mine seit dem 16. Jahrhundert das Edelmetall in mühsamer Handarbeit aus dem Berg gehauen. Die Arbeiter haben wohl die heissen Quellen entdeckt und zur Erholung genutzt, und ca. 100 Jahre später – nach dem Ende der Silbergewinnung – wurde der kleine Onsenort daraus, der sich bald sehr grosser Beliebtheit erfreute.

Von Tendō Onsen aus (oder auch Yamagata) ist Ginzan mit Zug und Bus gut zu erreichen. Der Bus ab Ōishida fährt 3-4x täglich, und er ist auch nicht sehr gross. Also heisst es mit vielen anderen Ausflüglern rechtzeitig in der Schlange am Busbahnhof stehen, um dort noch hineinzugelangen. Morgens um 10:15 Uhr klappt das noch eher als mit den späteren Verbindungen. Dann nämlich kommen die Übernachtungsgäste mit viel Gepäck, welches den Bus zusätzlich verstopft. Das wissen wir aber auch erst seit unserem Besuch… 😉

Der Bus hält ein Stück vor dem Ort, wo er noch wenden kann, denn im engen Ginzan ist Autofahren verboten (bzw. nur für die Einwohner:innen oder das Gewerbe gestattet). Autos müssen auf einem Parkplatz ausserhalb abgestellt werden. Von dort gibt es einen Shuttlebus.

Die ca. zehn historischen Ryokane, einige Restaurants, Cafés und Souveniershops schmiegen sich im schmalen Flusstal dicht aneinander. Mehrheitlich stammen die Unterkünfte aus der Taishō-Zeit (sind also ca. 100jährig), und es heisst, das Miyazaki Haiyao sich für seinen Film «Chihiro» von diesen hat inspirieren lassen. Das Türmchen auf dem Notoya Ryokan erinnert tatsächlich etwas an das Film-Geister-Bad.
Allerdings sagt man dasselbe auch vom Onsen-Gebäude in Dōgo bei Matsuyama. Letztendlich ist wohl ein Mix von allem in die Animé-Darstellung eingeflossen.

Ein Gebäude in modernerem Stil sticht heraus: Das «Fujiya» wurde vom berühmten Architekten Kengo Kuma entworfen. Um da zu übernachten müssten wir etwas länger sparen… 😉

Der Fussmarsch beginnt auf einer Flusseite, und man kann über die vielen kleinene Brücken beliebig oft hin und her wechseln. Manche sind auch bewacht. 😉

Nach nur 250 Metern ist das Ende des Dorfs erreicht. Ein Stück weiter befindet sich dann noch ein kleiner, malerischer Wasserfall –ein Fotospot, wie man sieht.

Die Mehrheit der Menschen dreht dann gleich wieder um. Darum lohnt sich die kleine Wanderung zu den einstigen Silberminen, da man dann kaum noch eine Seele antrifft. Für den teilweise schmalen, steilen Weg dorthin empfiehlt sich allerdings gutes Schuhwerk, und der Pfad sollte noch bei Tageslicht begangen werden (die Warnschilder sprachen für sich).

Hier und da zeigte sich bereits ein hübsches Farbenspiel der herbstlichen Blätter. Allerdings waren wir für das ultimative Herbstlaub-Erlebnis noch eine Woche zu früh dran. Man kann nicht alles haben.

Die alten Minen kann man selbständig durchqueren, und die fast emmentalerartigen Löcher, die einst in den Fels getrieben wurden, sind recht beeindruckend.

Auf dem Rundweg kommt man dann wieder ins Dorf zurück. Es war Mittag, aber wir hatten keine Lust, uns in eines der vollbesetzten Restaurants zu setzen. Eine Portion feiner Tofu zum Mitnehmen war da gerade richtig (und genügte nach unserem reichlichen Frühstück vollkommen).

Mehr gab es in Ginzan dann definitiv nicht mehr zu tun. So stellten wir uns rechtzeitig wieder an der Bushaltestelle auf, um mit dem Mittagsbus zurückfahren zu können.

In Tendō wartete nämlich noch das Hiroshige-Museum auf den Besuch (siehe voriger Blog-Eintrag). Und abends würden wir das feine Abendessen im Hotel geniessen. Und selbstverständlich mit einer leckeren Kostprobe Tendō -Bier. 😊

Ob Ginzan Onsen nun zwingend auf die Reiseroute muss? Nun, dies soll und darf doch jede(r) selbst entscheiden. Wir bevorzugen jedenfalls weniger populäre Orte, denn ein Zuviel an romantischem Japan-Flair zieht üblicherweise ziemlich viele selfie-wütige Besucher:innen an. Im einem eher nüchternen Tendō  bleiben einem diese garantiert erspart… 😉

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